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Lawaetz-Stiftung
Neumühlen 16-20
22763 Hamburg

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Der gesellschaftlicher Hintergrund zur Zeit der Gründung der Lawaetz-Stiftung

Mitte der 80er Jahre hatten sich, als Folge der seit Ende der 70er Jahre ansteigenden Arbeitslosigkeit, Initiativen gegründet, die Ausbildungs- und Arbeitsplätze für besonders benachteiligte Menschen, vor allem Jugendliche, schaffen wollten. Angestrebt war die Gründung von Betrieben, die sich nach einer Anschubfinanzierung aus öffentlichen Mitteln selbst tragen und langfristig die Arbeits- und Sozialbehörde von Sozialhilfeausgaben entlasten würden.

Parallel dazu hatten Netzwerk und der "Arbeitskreis Senatsknete" die Unterstützung selbstverwalteter Betriebe mit der Begründung gefordert, dass diese einerseits bei der Kreditvergabe stark benachteiligt seien und außerdem ökologische und soziale Veränderungen im allgemeinen Interesse vorantreiben würden.

Mit der gleichen Vehemenz haben verschiedene Gruppen auf ihre Wohnungsnot aufmerksam gemacht. Wuchermieten, Umwandlung von Mietraum in Eigentumswohnungen, Leerstand aus Spekulationsgründen wurden angeprangert. In der Folge kam es zu Hausbesetzungen von Wohnungslosen und Menschen, die neue, selbstbestimmte Wohn- und Lebensformen erproben wollten. Nur wenige Besetzergruppen wurden nicht polizeilich geräumt und konnten mit der Entwicklung und Verwirklichung ihrer Ideen beginnen (wie zum Beispiel das Projekt Schröderstift, das ab 1980 als Katalysator für andere Selbsthilfeprojekte wirkte).

1986 wurde von der Bürgerschaft die Errichtung der Lawaetz-Stiftung beschlossen. Finanzielle Grundlage waren unter anderem Finanzmittel, die Hamburg aus dem Europäischen Sozialfonds zur Förderung örtlicher Beschäftigungsinitiativen erhielt.

Die Lawaetz-Stiftung startete, personell knapp ausgestattet, mit der Gründung einer Beratungsstelle zur Unterstützung örtlicher Beschäftigungsinitiativen.

Die Einstellung von MitarbeiterInnen für den Bereich Stadterneuerung und alternative Baubetreuung (ABB) war erst 1987 möglich. Per Bürgerschaftsdrucksache wurden die Voraussetzungen geschaffen, um die Lawaetz-Stiftung als Alternative Sanierungsträgerin anzuerkennen. In dieser Funktion fördert die Lawaetz-Stiftung seitdem Wohn- und Mietergruppen, die für sich mit großem Selbsthilfe-Einsatz alte Gebäude instandsetzen und damit bezahlbaren Wohnraum erhalten oder wieder schaffen.

Anfang 1988 hat die Lawaetz-Stiftung als zusätzliche Aufgabe im Arbeitsbereich Stadterneuerung die Verwaltung von städtischen Liegenschaften übernommen. Diese Aufgabe hat die Stiftung einer Tochtergesellschaft, der Johann Daniel Lawaetz-Stadtentwicklungs-GmbH übertragen. Die Stadtentwicklungs-GmbH verwaltet Grundstücke, die von Wohngruppen genutzt, aber nicht erworben oder in Erbpacht übernommen werden können.

Ein Novum war der Ankauf von Häusern oder Wohnungen mit Hilfe öffentlicher Mittel. Im Jahr 1990 hat die Lawaetz-Stiftung einen Großteil der Falkenried-Terrassen erworben und der Falkenried-Mietergenossenschaft zur Selbstverwaltung übergeben.

Der Name der Stiftung erinnert an den Altonaer Fabrikanten Johann Daniel Lawaetz (1759-1826), der bereits im 18. Jahrhundert versuchte, Armut nicht mit Almosen, sondern durch Hilfe zur Selbsthilfe und Schaffung von Arbeitsplätzen zu bekämpfen.

"Aufgabe der Stiftung ist es, auf der Grundlage der Zwecke der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege solche Projekte zu initiieren und zu fördern, die für sozial benachteiligte Personen Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten schaffen." (Aus der Satzung der Lawaetz-Stiftung)

Seit ihrer Gründung hat die Stiftung ihre Tätigkeitsfelder vor dem Hintergrund wichtiger gesellschaftlicher Veränderungen erheblich ausgeweitet und spezifiziert. Ging es zunächst hauptsächlich um die Aktivierung von sozialen Gruppen im Zusammenhang mit Altbausanierungen und Existenzgründungen, so sind mittlerweile der gesamte Bereich der Förderung des Europäischen Sozialfonds ebenso hinzugekommen wie transnationale Partnerschaften, Quartiersentwicklung in drei Hamburger Gebieten und eine Fülle von weiteren Aufträgen. Die Stiftung finanziert sich aus Aufträgen Hamburger Fachbehörden und Bezirksämtern, Bundesprogrammen und Mitteln der Europäischen Kommission. Die Arbeit der Stiftung lässt sich – kurz gesagt – in einen eher konzeptionellen Schwerpunkt in der Schnittmenge von Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik und in praktische Aktivitäten zur Sozial- und Stadtentwicklungspolitik aufteilen. Zur klareren Profilierung strukturiert sich die Stiftung deshalb in zwei Unternehmensbereiche mit verschiedenen Teams und/oder Projektgruppen, die – unter Beachtung von Herstellung von Synergieeffekten – miteinander kooperieren.

Unternehmensbereich A: Wissensmanagement und Kommunikation mit allen Aktivitäten zum Europäischen Sozialfonds und differenzierten Angeboten für Existenzgründer aus Arbeitslosigkeit und Sozialhilfebezug.

Unternehmensbereich B: Aktivierung durch Projekte mit allen Aktivitäten zur Projektentwicklung für Gebäude und Grundstücke, dem Baumanagement von Sanierungsprojekten und Neubauvorhaben und der Quartiersentwicklung in Gebieten der Sozialen Stadtteilentwicklung.